Mentor, EIE, Hamlet

1. Die Emotionsethik  als Basisfunktion

Der Mentor beherrscht einen breiten Satz der emotionalen Zustände. Die dramatischen Emotionen gehen schnell in die komischen über, oder verflechten sich mit ihnen. Jedoch kann er sich in Anwesenheit der Fremden ruhig und würdevoll benehmen. Er ist mit der Fähigkeit zur emotionalen Einfühlung — Empathie begabt. Erlebt die Emotionen eines anderen Menschen wie die eigenen. Die Überfüllung mit negativen Emotionen führt ihn oft zu den Nerven-zusammenbrüchen. Er hat ausdruckvolle Mimik, Gestik, Blick und andere emotionale Signale. Ein guter Schauspieler oder Redner. Lebt sich ständig in irgendwelche Rolle ein. Seinen Angehörigen kommt es manchmal schwer vor, seinen emotionalen Druck zu ertragen. Er verschärft ständig die Situation bzw. emotionale Anstrengung. Es gelingt ihm nicht, Seelenfrieden und Ruhe zu finden.

2. Die Zeitintuition  als Kreativitätsfunktion

Der Mentor versteht gut die Entwicklung der Situation in der Zeit. Wenn er ein Vorgefühl für eine beunruhigende Situation hat, dann bereitet er sich auf sie im Voraus vor — durchdenkt die Ersatzvarianten. Warnt die Menschen vor der drohenden Gefahr. Ein ständig schwankender und zweifelnder Mensch.  Es fällt ihm nicht leicht, eine wichtige Entscheidung zu treffen. Doch, nachdem er sich entschieden hat, ändert er seinen Entschluss nicht mehr und wendet sich nicht zurück.  Seine Weltanschauung kann sich mit der Zeit in eine diametral gegensätzliche ändern. Er ist innerlich sehr widersprüchlich. Erfasst Heuchelei und Unstimmigkeit zwischen den Worten und dem realen Verhalten der Menschen. Interessiert sich gewöhnlich für die Themen, die mit dem Schicksal und anderen geheimnisvollen Erscheinungen verbunden sind. Er mag sich in die Einsamkeit zurückziehen und über den Sinn des Lebens, die Vergangenheit und die Zukunft nachzudenken. Betrachtet alle Probleme aus der globalen, philosophischen Sicht.

3. Die Handlungslogik  als Rollenfunktion

Zwingt sich der Arbeit nachzugehen, die den konkreten Nutzen bringt. Dabei erfüllt er seine Arbeit sorgfältig und mag sie nicht ändern. Es gefällt ihm, sich zu überwinden, indem er schwierige Techniken anwendet. Nach dem Temperament ist er unruhig und ungeduldig. Das lange Sitzen auf einem Platz bringt Muskelschmerzen. Ihm ist es schwierig, sich zu entspannen, sogar im Schlaf. Der Mentor hat häufig organisatorische Fähigkeiten. Aber die langwierige geschäftliche Aktivität entkräftet ihn. Verteilt unter den Menschen viele kleine Aufträge, deshalb schafft er es nicht, auf alle aufzupassen und wird nervös. Ihm ist es schwer, vor Zeugen zu arbeiten. Alle schnellen Bewegungen und heftigen Laute bringen ihn auf. Doch ein mäßiger Begleitton erhöht seine Arbeitsfähigkeit.

4. Die Empfindungssensorik  als Verletzbarkeitsfunktion

Der Mentor hat Angst vor Krankheiten und physischen Leiden. Wird mit Mühe üble Angewohnheiten los. In der sexuellen Sphäre zeichnet er sich häufig durch Extreme aus: von der Gleichgültigkeit bis zur Perversität. Schenkt viel Aufmerksamkeit seinem Äußeren. Bekleidet sich entweder ziemlich geziert und aristokratisch oder ganz einfach. Die Ästhetik des Äußeren bereitet ihm viel Freude oder Betrübnis. Im Essen ist er wählerisch, zur Kombination der Lebensmittel mit gegensätzlichen Geschmäcken geneigt. Er kann jedoch auch ganz anspruchslos im Essen sein, die Speisen sollten nur regelmäßig angerichtet werden. Das Verhältnis zu ihm bewertet er nach dem Wunsch der Menschen, für ihn zu sorgen, seine seltsamen Geschmäcke und Gewohnheiten zu dulden. Er mag nicht, angerührt zu werden. Fühlt sich schlecht in den geschlossenen Räumen.

5. Die Strukturlogik  als Suggestiv-Funktion

Der Mentor bedarf der Organisiertheit und Ordnung um sich. Davon hängt sein physisches Befinden ab. Die langsamen, akribischen und Konzentration erfordernden Beschäftigungen lassen ihn entspannen. Das Leben nach einem strengen System kommt ihm zugute. Unklarheit, Unvorhersehbarkeit, ständiger Wechsel der Ordnung bedrücken ihn und schaden seiner Gesundheit. Er erfasst gut die geringsten Abweichungen vom gewohnten Schema der Ereignisse. Doch ist der Mentor in seinen logischen Schlussfolgerungen ziemlich subjektiv. Seine Verallgemeinerungen weisen nicht selten Einseitigkeit auf. Er mag die Systemlogik. Strebt danach, alles zu ordnen, alles mit aus seiner Sicht vernünftigen Rahmen und Regeln zu beschränken. Jedoch macht für sich selber eine Ausnahme.

6. Die Willensensorik  als Aktivierungsfunktion

Der Mentor protestiert leidenschaftlich gegen Gewalt und Grobheit. Er stellt sich auf eine ausschließlich höfliche und liebenswürdige Behandlung ein. Im Zustand des Affektes lässt es auf das Äußerste ankommen. Seine eigene Kraft steigt in der extremen Situation (Panik, Durcheinander) heftig an. In solchen Fällen benimmt sich sicher und entschlossen. Gleichzeitig ist er gegen die Kraft wehrlos, wenn er emotional und seelisch gebrochen ist. In solcher Situation nimmt er die Ergebenheit dem Schicksal als eine Unvermeidlichkeit wahr. Aus dem hysterischen Zustand kann ihn nur ein plötzlicher Schlag aufrütteln, der auf ihn ernüchternd wirkt. Um seine ungesteuerten Emotionen zu bewältigen, bedarf er der Hilfe seitens der Anderen.

7. Die Beziehungsethik  als Kontrollfunktion

Der Mentor ist sich der Haltbarkeit der Beziehungen nicht sicher, die ihn mit anderen Menschen verbinden. Sucht nach ständigen verbalen und anderen Bestätigungen der Gefühle. Er ist auf seine Rivalen sehr eifersüchtig. Sagt die Entwicklung der Beziehungen über die Zeit gut vorher. Ein Kritiker und Sittenprediger. Er selber kann entweder ein treuer und ergebener Partner oder ein leichtsinniger Don Juan sein. Seine empfindliche Stelle ist die Zuverlässigkeit der Beziehungen mit den Menschen, denen er sich anvertraut hat. Denjenigen, die ihn einmal in Stich gelassen haben, vergibt er nicht.  Der Mentor ist leicht gekränkt und nachtragend. Er bevorzugt,  von den Menschen Abstand zu halten. Seine Selbsteinschätzung ist in den Augen der Umgebung stark unterbewertend. Seine anderen Extreme in den Beziehungen sind Aufdringlichkeit und Selbstbewunderung.

8. Die Möglichkeitsintuition  als Standardfunktion

Der Mentor zeigt im Handeln unerwartete Talente und Fähigkeiten. Er will, dass seine Bemühungen und Errungenschaften gelobt werden. Neigt zu ungewöhnlichen, manchmal schockierenden Formen des Verhaltens.  Kann die Fähigkeiten der Menschen in der Praxis verwenden, indem er die Rollen in der Gruppe verteilt. Häufig ein guter Pädagoge und Erzieher des Kollektivs. Formt die Persönlichkeit  in mühseliger Arbeit. Er will der ganzen Menschheit Nutzen bringen, eine Teillösung der Probleme reicht ihm nicht aus. Nicht selten bezieht er eine kompromisslose Stellung in scheinbar kleiner oder nebensächlicher Frage. Sucht sich die am meisten komplizierten und spannenden  Aufgaben. Er nimmt aber die Kritik sehr zu Herzen, da er sie wie den Bruch seiner Ideale empfindet. Für ihn ist das Minderwertigkeitsgefühl charakteristisch, das mit einer demonstrativen Verhaltensweise kompensiert werden kann.


© Autor: Viktor Gulenko
© Übersetzung: Nadiya Medvedovska