Bewahrer, ESI, Dreiser


1. Die Beziehungsethik  als Basisfunktion

Der Bewahrer sieht gut, wie sich die Menschen in der Kommunikation zeigen. Er lässt sich durch gespielte Freundlichkeit nicht betrügen. Bewertet kritisch das Verhalten der Umgebung, äußert aber seine Meinung nur dann, wenn er stark betroffen ist. Bei der ersten Bekanntschaft teilt er die Menschen strikt in zwei Kategorien — seinige und fremde. Die Fremden behandelt er so, als ob sie für ihn nicht existieren, und zu seinen Angehörigen und Freunden fasst er eine starke Zuneigung, fühlt sich für sie verantwortlich. Er ist seinen innerlichen ethischen Einschätzungen des Menschen treu. Es ist es sehr schwierig, ihn umzustimmen. Es fällt ihm schwer, Kompromisse mit den Fremden einzugehen. Dennoch verzeiht er den seinigen vieles. Verfügt frei über psychologische Distanz. Mal lässt er Menschen sich entfernen, mal nähert sie zu sich an. Auf diese Weise deutet er an, wie er sich zu ihnen verhält.

2. Die Willensensorik  als Kreativitätsfunktion

Berechnet geschickt die Kraft der Einwirkung auf den Menschen. Passt sich dem Partner nicht an, sondern drängt ihm seine Handlungsweise auf. Beherrscht sich, bis es zum kritischen Zeitpunkt kommt. Er kann dann für sich und seine Angehörigen einstehen. Erträgt keinen Zwang, keine unvernünftige Kraftanwendung. Sein Widerstand entspricht immer dem Grad der Erscheinungsform von Aggression. Versteht es, den Beleidiger anzugewöhnen, indem er Druck auf ihn zielbewusst verstärkt. Beruhigt sich nicht, bis er Verwirrung und Fallen des Kampfgeistes des Gegners nicht spürt. Der moralische Sieg ist für ihn wichtiger als der physische. Lässt es niemals zu, dass man ihn rücksichtslos behandelt, ihm seine Meinung aufdrängt. Man kann ihn nicht einschüchtern oder provozieren.

3. Die Strukturlogik  als Rollenfunktion

Strebt danach, die Situation allseitig zu analysieren und eine objektive eindeutige Schlussfolgerung zu ziehen. In der Öffentlichkeit trägt er eine Maske des trockenen und leidenschaftslosen Menschen. Hängt von gefestigten Normen und erprobten Handlungsmethoden ab. Bewertet alles vom Standpunkt des gesunden Menschenverstandes, vernünftigen Egoismus. Zwingt sich, das zu machen, was die Spielregeln erfordern. Dasselbe verlangt er von der Umgebung. Bedarf einer physischen Distanz. Hält sich abseits von aufdringlichen Menschen. Vermeidet große Menschenhaufen.

4. Die Möglichkeitsintuition  als Verletzbarkeitsfunktion

Es fällt ihm schwer, sich in der Aufhäufung von originellen, aber unklaren Ideen und Vermutungen zurechtzufinden, die sich nicht auf anerkannte Tatsachen stützen. Fühlt sich schlecht in der Situation der Unbestimmtheit, des Verschweigens. Wenn er einen Menschen beobachtet, vergleicht er seine Möglichkeiten mit den eigenen. Kann ich dasselbe tun, was er tut? Mal idealisiert er den Menschen zu sehr, mal, umgekehrt, bestreitet vollständig das Vorhandensein der Fähigkeiten bei ihm. Vertraut den prahlerischen Menschen nicht, die ihre Fähigkeiten hervorheben. Behandelt talentvolle, aber egoistische und selbstzufriedene Menschen ohne Nachsicht. Erkennt die Fähigkeiten nicht an, die nicht durch das Werk ergänzt sind. Wartet, bis er bemerkt und gebührend bewertet wird. Es fällt ihm schwer, sich selber anzubieten. Lobt andere Menschen selten, jedoch nimmt er gerne Komplimente an seine Adresse an.

5. Die Handlungslogik  als Suggestiv-Funktion

Der Bewahrer entspannt und beruhigt sich tatsächlich nach einer anstrengenden, aber nutzbringenden Arbeit. Er mag die Menschen, die ihn zur geschäftlichen Aktivität heranziehen. Praktisch im Alltag. Nutzt alles aus, was sich auf seinem Territorium befindet. Mag sehr funktionale und schön ausgestattete Sachen. Schätzt das, was nützlich ist und minimale Bemühungen für seine Anwendung fordert. Versteht, sich komfortable Bedingungen für die Arbeit zu gewährleisten. Erfüllt schnell arbeitsintensive Operationen, um sie lange nicht wiederaufzunehmen. Erträgt schwer den Wechsel der Arbeit bzw. der gewohnten Lebensweise. Das Unbehagen bei der Umgestaltung auf neue Bedingungen schreckt ihn ziemlich ab.

6. Die Zeitintuition  als Aktivierungsfunktion

Der Bewahrer ist ungeduldig. Mag keinen Amtsschimmel bzw. langsamen Lauf der Dinge. Er ist auf schnelle Entscheidungen eingestellt. Aktiviert sich in den Situationen des Zeitmangels. Das Anstoßen in Kleinigkeiten ruft bei ihm Protest herbei, doch im Großen macht es ihn aktiv. Es ist besser, ihm eine kurze Vorbereitungszeit zu geben, denn je länger er wartet und sich vorbereitet, desto mehr Unruhe und schlechtere Ergebnisse gibt es. Innerlich ist er unruhig. Macht sich Sorgen wegen jeglicher Gefahren, die ihm und seinen Angehörigen drohen. Sucht religiöse, philosophische, mystische u. a. Weisen für gedankliche Verarbeitung und Verteidigung gegen die Unbilden des Schicksals. Lässt nicht zu, dass er überrascht wird. Immer bereit zu unvorgesehenen Umständen. Gedenkt gut der Fehler und Erschütterungen der Vergangenheit, aus denen er Lehren ableitet.

7. Die Emotionsethik  als Kontrollfunktion

Der Bewahrer fühlt gut den emotionalen Zustand des Menschen. Fragt nach den Ursachen, die zur schlechten Stimmung geführt haben. Doch kann er selber sie nicht verbessern. Passt sich der Stimmung der Umgebung an. In der ernsten Situation benimmt er sich betont offiziell, im Freundeskreis ist er ungezwungen lustig, erlaubt sich sogar zynische Witze. Mag die fröhlichen Menschen, die verstehen, Andere in Bewegung zu bringen, zu entspannen, ihnen Stimmung zu heben, Zuversicht einzuflößen. Er bedarf der Ablenkung von lästigen Gedanken und emotionalen Entspannung. Vermeidet Lebensdramen, Drücken der negativen Emotionen. Weiß, wie schwer sie Psyche und Gesundheit belasten. Andererseits beschleunigt er absichtlich Konfliktausgänge oder dramatisiert Situation.

8. Die Empfindungssensorik  als Standardfunktion

Der Bewahrer kann nicht untätig bleiben. Der Müßiggang wirkt auf ihn deprimierend. Er sucht sich ständig eine Beschäftigung. Die Arbeit dient ihm als Arznei gegen viele Krankheiten. Fürchtet, vor den Menschen unordentlich, unschön, in der schlechten Körperverfassung zu erscheinen. Wenn er krank wird, nimmt er sofort radikale Methoden der Behandlung ein. Empfindet Mitleid zu elenden, kranken, schwachen, abhängigen, unglücklichen Menschen. Unwillkürlich entsteht der Wunsch, etwas konkretes für sie zu tun: zu essen geben, heilen, von der Abhängigkeit erlösen, helfen, eine Krise zu überwinden, eine schädliche Gewohnheit aufzugeben. Schätzt ziemlich hoch Sauberkeit, gesunde Lebensweise. Findet sich mit dem Menschen nicht ab, der ihm physisch abscheulich ist, ungesunde Instinkte hat.


© Autor: Viktor Gulenko
© Übersetzung: Nadiya Medvedovska