Ratgeber, IEE, Huxley

1. Die Möglichkeitsintuition  als Basisfunktion

Der Ratgeber hat eine schöne Intuition hinsichtlich der Menschen. Nach den einzelnen Phrasen, der Intonation, der Mimik, den Besonderheiten des Benehmens kann er die innere Motivation eines Menschen rekonstruieren. Er findet leicht heraus, wonach der Mensch strebt. Der Ratgeber lernt schnell, da er das Wichtigste erfassen kann. Seine Phantasie ist gut entwickelt: er erfindet Geschichten, schafft Gestalten und interessante Sujets. Die talentvollen und ungewöhnlichen Persönlichkeiten ziehen ihn an. Er kann die Menschen ermutigen und begeistern, indem er ihnen Komplimente macht und gute Aussichten beschreibt. Der Ratgeber schlägt verschiedene Varianten zur Lösung eines Problems vor. Er kann die Beschäftigung mit der einförmigen Arbeit nicht ausstehen. Die langweilige Routine wirkt auf ihn ziemlich deprimierend.

2. Die Beziehungsethik  als Kreativitätsfunktion

Der Ratgeber kennt sich wie nur einer in der Logik der menschlichen Beziehungen aus, er versteht besonders gut die Ursachen der Verwicklungen und der Zwietracht in der Liebe und Freundschaft. Für ihn ist es leichter, die gefestigten Beziehungen zu erhalten, als die zerrissenen wieder herzustellen. Er reagiert scharf auf die Abneigung. Der Ratgeber ist bezaubernd und gesellig. Er kann ein System von Beziehungen mit jedem Menschen aufbauen, wenn nur er ihn interessierte. Er versteht, wie eine richtige Distanz im Umgang mit den anderen sein muss, auch wenn er sich nicht immer daran hält.  Der Ratgeber weiß zudem, was man machen muss, um eine günstige psychologische Atmosphäre in der Gruppe zu unterhalten.  Er berät, wie man mit dem Menschen verkehren soll, um notwendig für ihn zu werden.

3. Die Willenssensorik  als Rollenfunktion

In den extremen Situationen mobilisiert sich der Ratgeber und handelt ziemlich entschlossen. Er weist alle Eingriffe zurück. Er kann die Versuche des Diktates und des Zwanges nicht ohne Antwort belassen. Der Ratgeber ist selbst sehr unabhängig und zwingt die anderen nicht.  Manchmal fehlt es ihm am Willen, um sich zu bezähmen und akute Probleme zu erledigen. Er fürchtet nicht, gegen die überlegene Kraft aufzutreten. Der Ratgeber kann zum Vorgesetzten eines beliebigen Ranges kommen und die Lösung seiner Frage einfordern. Er hat die Gewohnheit, seinen Rivalen als erster zu stören. Er mischt sich in den Streit ein und verteidigt seine Meinung aktiv, manchmal auch aggressiv. Der Ratgeber leidet wegen seiner Reizbarkeit und Unbeherrschtheit. Aus diesem Grund ist für ihn schwer, die Schulterzone des Körpers zu entspannen.

4. Die Strukturlogik  als Verletzbarkeitsfunktion

Der Ratgeber kann im Rahmen des harten Systems mit vielen Beschränkungen nicht wirksam arbeiten. Er mag es gar nicht, wenn das System seiner Beziehungen mit der Umgebung kontrolliert wird. Dringt in die Einzelheiten irgendeiner Information nicht ein, sondern bemüht sich darum, nur die allgemeine Richtung zu begreifen. Da er die Menschen nicht immer bis zum Ende anhört, hinterlässt er den Eindruck des Missverständnisses. Begeht subjektive Versehen bei der Darlegung der logischen Schlussfolgerungen und der Entscheidungen. Ignoriert jene Seite der tatsächlichen Lage, die seinen eigenen Vorstellungen widerspricht. Die mühevolle Kleinarbeit bzw. Berechnung und Belegausfertigung fällt ihm schwer.  In solchen Fällen strengt er sich nur dafür an, um nicht einen schlechten Eindruck zu machen und den Beziehungen nicht zu schaden.

5. Die Empfindungssensorik  als Suggestiv-Funktion

Der Ratgeber entspannt sich tatsächlich nur in der vollständig komfortablen Umgebung, wenn man sich wie zu Hause fühlen kann und keine Sorgen wegen der Folgen machen muss. Er braucht große Dosen der angenehmen Empfindungen. Die Vergnügen spielen eine große Rolle in seinem Leben. Er mag es sehr, mit der Gemütlichkeit und der konkreten Fürsorge umgeben zu werden. Wegen seines Dranges nach Vergnügungen macht er manchmal den Eindruck eines oberflächlichen, sorglosen Wesens. Wenn er sich in den Wirbel des süßen Lebens einzieht, kann er zum tragischen Ende kommen. Der Ratgeber kümmert sich wenig um sich selber, fürs erste kann er mit Wenigem auskommen. Aber das physische und moralische Unbehagen ruiniert stark seine Gesundheit. Er sucht nach den Wegen zum leichten, mit dem Kampf für das Leben unbeschwerten Dasein.

6. Die Handlungslogik  als Aktivierungsfunktion

Die Stimmung des Ratgebers hängt vom Charakter der zu erfüllenden Arbeit ab. Wenn sie ihm uninteressant ist oder nutzlos scheint, so verschlechtert sich stark seine Stimmung. Aus demselben Grund ist er zur regelmäßigen Lebensweise und Haushaltsführung nicht geneigt. Er hat die Neigung zum Abenteurertum. Es gefällt ihm, in ungewöhnliche Situationen zu geraten und  unerwartete Taten zu begehen. Auf diese Weise findet er sich zur Lebenslust wieder. Er ist weder pragmatisch noch sparsam. Wenn er etwas organisiert, so macht er das für die Seele, und nicht für den Gewinn. Die beste Belohnung für seine Arbeit ist Bewunderung und positive Emotionen. Eine große Rolle in seinem Leben gehört dem Spiel — der Vereinigung des Angenehmen mit dem Nützlichen. Er strebt danach, Arbeit- und Lernprozesse in die Spielformen zu übertragen.

7. Die Zeitintuition  als Kontrollfunktion

Der Ratgeber strebt danach, den Verbrauch der Zeit von seiner Umgebung zu kontrollieren. Er kann die Menschen nicht dulden, die nicht operativ handeln oder die kostbare Zeit abnehmen. Jedoch kann er seine eigene Zeit nicht verwalten. Er ist zu den häufigen Verspätungen geneigt. Wenn der Ratgeber über etwas erzählt, folgt er seinen Assoziationen nach und legt die Information weitläufig dar, deshalb kommt er mit der vereinbarten Zeit nicht aus. Für ihn ist es sehr wichtig, die ununterbrochene Entwicklung der Situation zu verfolgen. Ohne Hoffnung und positive Veränderungen lässt er die Hände sinken. Vertraut den übereilten Versprechen, obwohl er versteht, dass die ernsten Veränderungen vor allem Zeit brauchen. Er selber zeichnet sich gar nicht durch die Langmut aus. Wenn seine Versuche, das Schicksal zu überwinden, scheitern,  so findet er sich mit dem Unvermeidlichen allmählich ab.

8. Die Emotionsethik  als Standardfunktion

Der Ratgeber kann die Initiative ergreifen und die Menschen zum Handeln begeistern. Aber wenn seine Lust verschwindet, sucht er nach den Menschen, die es ohne seine unmittelbare Teilnahme fertigmachen. Innerlich wird er von widersprüchlichen Emotionen und traurigen Gedanken geplagt. Um davon abzulenken, vertieft er sich in die Arbeit. Dabei hält er schlecht maß — er ist dazu geneigt, sich zu überanstrengen oder zuviel zu arbeiten. Im Verkehr mit den Menschen ist der Ratgeber emotional, unbefangen und etwas naiv. Aber diese Eigenschaften helfen ihm, bei den scheinbar hoffnungslosen oder sehr schwierigen Unternehmen erfolgreich zu sein.   Wenn er gut gelaunt ist, entscheidet er operativ die laufenden Haushalts- oder Arbeitsprobleme. Er findet schnell, womit eine fehlende Sache zu ersetzen ist, oder kann überhaupt ohne sie auskommen.

© Autor: Viktor Gulenko
© Übersetzung: Nadiya Medvedovska