Kritiker, ILI, Balzac

1. „Die Fantasie führt mich.“ Verfügt über eine starke intellektuelle Einbildungskraft. Honoré de Balzac hat Porträts von 2000 Personen geschaffen, die lebendiger als echte Personen vorkommen. „Man kann ihn wohl nur mit der Stadtverwaltung vergleichen“, schrieb über ihn André Maurois. Der Detailgrad und die phantasmagorische Welt von Gabriel García Márquez versetzen in Erstaunen. Dank dieser Eigenschaft sieht gut die Zukunft. Aus einzelnen Handlungen eines Menschen erstellt eine Art funktionierendes Modell. Überhaupt weiß alles im Voraus. Wenn er vor einem drohenden Ärger (Glück interessiert ihn weniger) nicht frühzeitig warnen würde, würde er sich scheinbar überflüssig fühlen.


2. „Gelassenheit eines Geistlichen“. Zeigt fast nie Emotionen, schützt vor ihnen seine Nächsten. Ist aufrichtig überzeugt, dass zu starke Leidenschaften dem Menschen das Verderben bringen. H. Balzac zeigte immer wieder, wie das Gefühl wächst wie ein ungeheuerliches Krebsgeschwür, welches die Seelen zunehmend erodiert und letztendlich alles unterdrückt. Was seinen hyperaktiven und sich begeisternden Dualen betrifft, so ist das absolut wahr.


3. Ein tiefgreifender Analytiker. Ist sich sicher, dass ein Leben unmöglich ist, ohne dass man sich der in der Welt herrschenden Sachlagen bewusst ist. Derjenige, der die realistische faktische Lage leugnet, bewegt sich auf eine Katastrophe zu. Zieht den Zynismus der Heuchelei vor. Arbeitet sich in jede Situation, die man ihm erzählt, tiefgreifend ein und beginnt sehr bald dem verblüfften Gesprächspartner Details, Ursprünge und Aspekte zu erzählen, die diesem entgangen sind. Dabei ist seine Analyse frei von jedem Selbstbetrug. „All das ist nicht besser als die Küche, - stinkt genauso und wenn Du irgendwas kochen möchtest, musst Du Deine Hände schmutzig machen. Einzig, Du musst die Hände später gut sauber machen, - das ist die ganze Moral unseres Zeitalters“ sagte Vautrin (*) über das Leben. Diese Misanthropie kann fast jeden entmutigen.


4. „Er hat vor allem ein gutes Herz.“ Bei all seinem Schwarzsehen, ist er von seiner Natur aus ein sehr sanfter Mensch. Die angeführten Worte über Balzac gehören George Sand, die sich in menschlicher Güte auskannte. Er liebt starke Menschen, die ihren Weg gut kennen, Zugeständnisse abverlangen, Menschen, die ihn von der Notwendigkeit befreien, selbst Ziele zu setzen, sondern nutzen die von ihm ausgedachte Handlungsmethoden, in welchen er ein großer Meister ist. Weiß es sowohl eine kalte Dusche einem Enthusiasten zu verabreichen als auch die Verzweiflung abzubauen, wenn Andere kein Glück haben, wenn ihnen alles misslingt, wenn das Schicksal feindlich gesinnt vorkommt.


5. So beschreibt den Ritter ihrer Träume die Studentin Laima (**): „Er muss schön und klug sein. Seine Augen sind groß und traurig. Er ist schweigsam, geht mit Komplimenten sparsam um. Und schafft deswegen den Eindruck der Unerreichbarkeit. Ihn quälen Dutzende Probleme, die es sich, glaube ich, nicht lohnt zu beachten. Mich ziehen seine Traurigkeit und Ernsthaftigkeit an, ich versuche ihn aufzumuntern, seine Laune zu verbessern, ihn zu erfreuen. Wenn auf einer Party so ein Junge da ist, langweile ich mich nicht.“ Das ist eine bildhafte Beschreibung eines Menschen, der in seinen Gefühlen sehr konstant ist, neigt nicht zum Abenteuer und wünscht sich eine volle Abhängigkeit von den Forderungen des geliebten Menschen.



Kommentare des Übersetzers:

(*) Vautrin ist eine Gestalt aus den Werken von Honoré de Balzac
(**) Die litauische Studentin Laima ist eine SEE



© Autor: Igor Weisband, 1986
© Übersetzung: Albert Schneider, 2011

Diese Beschreibung ist nicht nach Funktionen gegliedert. Andere Übersetzungesvarianten sind evtl. auf folgenden Seiten verfügbar:
http://www.socioniko.net/de/1.1.types/tp.html
http://www.team-space.net/models/socionics/german/types/INTP.htm